Papa sein ist schwer

Ich lese viele Mama-Blogs und Foren, in denen sich alles ums Mamasein dreht.
Jeden Tag finde ich neue Beitraege in meinem Blogfeed ueber Babies, Mamas und wie sie zusammen klarkommen.
Man hoert immer wieder wie Mamas Probleme mit Hormonen haben, wie sie das Stillen belastet oder wie sie in ihrer Mutterrolle aufgehen. Auch ich habe ueber all diese Punkte bereits Beitraege erstellt und oft darueber mit anderen Mamas diskutiert.
Aber einer bleibt dabei meisst aussen vor - der Papa.


Deshalb wuerde ich heute gerne mal darueber sprechen wie es den Papas denn waehrend der Schwangerschaft und nach der Geburt ergeht. 
Natuerlich ist auch jeder Papa anders und jeder wird dazu andere Antworten geben aber ich habe meinen Mann einfach mal ganz offen befragt und manche Antworten sind anders ausgefallen, als ich es erwartet haette. Aber lest am besten selbst: 

(Die Fragen meinerseits habe ich pink markiert, seine Antwort darauf blau)

-Wie war fuer dich die Schangerschaft. Hattest du irgendwelche Bedenken oder Sorgen? Und hast du dich gefreut?

"Ich war irgendwie total ueberrannt davon, da die Schwangerschaft ja nicht geplant war. Auch als du immer runder und runder wurdest, konnte ich es immer noch nicht wirklich glauben, dass da ein Baby drin ist. Sogar als es rauskam war alles irgendwie noch unwirklich. Gefreut schon irgendwie weil ich ja schon immer ein Kind wollte aber trotzdem waren meine Gefuehle doch gemischt. Ich habe von Freunden oft gehoert wie schwer es sein wird Vater zu sein und wie sehr die Beziehung darunter leiden wuerde. Sie erzaehlten davon wie laut Babies Nachts seien und dass wir sicherlich in getrennten Zimmern schlafen werden waehrend du das Baby stillst weil es oft aufwachen wird und weinen und ich ja arbeiten gehen muss. Ich hatte mir Sorgen gemacht dass wir uns auch deshalb viel streiten wuerden und ich nicht mit deinen Hormonschwankungen klarkommen wuerde. Wir Maenner machen uns genauso Sorgen wie ihr Frauen, denke ich. Und wir koennen viel nicht nachvollziehen und wissen nicht wie ihr euch fuehlt. Ich war froh dass du viel mit mir geredet hast, darueber was dich bedrueckt und welche Sorgen du dir machst. Das hat mir etwas geholfen zu verstehen."



-Wie war die Geburt fuer dich und bereust du es dass du es nicht rechzeitig geschafft hast ins Krankenhaus zu kommen?

"Als die Wehen mitten in der Nacht eingesetzt hatten und du gesagt hattest dass das Baby kommt war ich richtig geschockt. Es war fast so als waere das ganz spontan gekommen ohne dass ich vorher davon wusste. Ich konnte es irgendwie immer noch nicht wirklich realisieren was da passiert. Du hast mich im Auto die ganze Zeit angeschrien ich solle den Mund halten weil du dich nicht konzentrieren kannst, hast aber selbst die ganze Zeit geredet und geschrien. Ich wusste nicht was ich machen sollte und musste die ganze Zeit lachen, was dich noch wuetender gemacht hat und du haettest mich fast erwuergt auf dem Weg ins Krankenhaus. Das Lachen war aber definitiv nicht aus Spass sondern weil ich selbst so unter Schock stand dass ich nichts anderes tun konnte ausser lachen. Hoert sich komisch an aber ich war wie unter Schock. 
Du hast dann im Krankenhaus gesagt ich solle heimfahren und schlafen damit ich morgen fit fuer die Arbeit waere obwohl ich nur noch ein paar Stunden zu schlafen hatte. Ich bin dann nach 2 Std ca. nach Hause gefahren, weil du gesagt hattest du kannst mich hier nicht brauchen weil du wegen der Schmerzen nur wuetend werden wuerdest. (Und ja, du warst ziemlich wuetend.)
Im Krankenhaus wurde mir dann als ich Heimging gesagt dass die Geburt beim ersten Kind meisst sehr lange dauern wuerde und ich morgen um Mittag rum wieder kommen solle. Auch als ich Morgens angerufen hatte wurde mir noch immer gesagt es wuerde sicherlich reichen wenn ich um 12 Uhr komme. Dann koennte ich die Geburt noch schaffen.
Leider kam dann um kurz nach 10 Uhr morgens dann der Anruf von dir, dass das Baby schon da sei. Ich war etwas angenervt, dass das Krankenhaus mich nicht informiert hatte aber naja... beim naechsten mal dann."




-Wie haettest du dir den Optimalfall vorgestellt?

"Der errechnete Geburtstermin war ja am Samstag. Ich haette mich gefreut, wenn er puenktlich gekommen waere und ich somit nicht arbeiten haette muessen. Dann waere ich sicherlich die ganze Zeit im Krankenhaus geblieben und haette auch dort schlafen koennen. 
Bei der Geburt waere ich aber nicht live dabei gewesen. Du weisst ja wie empfindlich ich bin. Ich kann kein Blut sehen und waere sicherlich umgekippt.
Nach der Geburt waere ich dann rein und haette den Kleinen als erstes im Arm gehalten. Ich haette bestimmt spontan losgeheult."




-Wie hast du dich gefuehlt, als du deinen Sohn das erste mal am Arm hattest?

"Es war irgendwie anders, als ich es erwartet hatte. Ich dachte vorher immer dass ich sofort total gluecklich waere aber damals war ich eher geschockt. Das Gefuehl ist sehr schwer zu beschreiben. Gluecklich natuerlich aber trotzdem hatte ich es noch immer nicht so wirklich realisiert, dass das ein echtes, lebendiges Baby war. Er hatte so friedlich geschlafen und sich kaum bewegt. Wie ein Pueppchen... als ich danach heimfuhr war alles so unwirklich. Und ich machte mir auch viele Sorgen. Ich fing erst jetzt an zu realisieren, dass ich nun eine grosse Verantwortung hatte und ich nahm mir vor von da an noch mehr und haerter zu arbeiten um euch ein gutes Leben zu ermoeglichen"



-Wie waren die ersten Wochen fuer dich?

"Es war alles etwas komisch. Ich hatte mich noch nicht so sehr daran gewoehnt Papa zu sein. Ausserdem war das Baby dauernd am Schlafen und wenn es wach war hatte er nur immer hunger. Da du ja gestillt hattest konnte ich auch nicht wirklich dazu beitragen und alles was ich tun konnte, war ihn ab und zu in den Schlaf zu wiegen. Das hat mir oft ein schlechtes Gewissen gemacht weil ich dir mehr beistehen wollte aber es gab nichts was ich tun konnte. Ich hatte auch nicht wirklich Zeit, ihn besser kennenzulernen. Ich musste ja auch jeden Tag arbeiten. Anfangs war Haruki mir ziemlich fremd und ich hatte Angst ihn auf den Arm zu nehmen und hatte ihn damals auch kein einziges mal gewickelt."



-Ab wann hat sich das geaendert? Wann wuerdest du sagen, dass du das Baby richtig kennengelernt hast? 

"Ich denke das war so als er um die 2-3 Monate war. Da hatte er angefangen Menschen direkt in die Augen zu schauen und auch ab und zu zu lachen. Ab da dachte ich, er erkennt mich als seinen Papa und er lachte auch ab und zu wenn ich ein lustiges Gesicht machte oder wenn wir zusammen badeten. Von da an hat es mir immer mehr Spass gemacht mit ihm zu spielen. Inzwischen habe ich mich an ihn gewoehnt und er sich auch an mich, wies aussieht. Zumindest lacht er mich inzwischen mehr an als dich." 



-Was war fuer dich ganz anders als du es dir vor der Geburt vorgestellt hast? 

"(lacht) Alles. Ich dachte er wuerde dir etwas mehr aehneln aber die ersten paar Wochen sah er genau aus wie ich. Dunkelhaeutig mit Schwarzen Haaren und Augen und total japanisch. Ich hatte gehofft dass er etwas mehr europaeisch aussehen wuerde, was inzwischen ja Gott sei Dank der Fall ist. Er hat sich sehr veraendert in den paar Monaten. Man erkennt ihn kaum wieder auf Fotos. Und dachte ich immer Babies riechen gut aber Haruki stinkt nach Opa und schwitzt andauernd, vor allem beim Schlafen."
(Da musste ich laut Lachen, bei der Aussage haha)
"Ausserdem kann ich sehr wohl gut schlafen obwohl wir zu 3. im Bett sind. Haruki weint fast nie und wacht auch Nachts nicht wirklich auf. Das hat mich glaub ich am meissten ueberrascht, da mir meine Freunde anfangs ja immer diese Geschichten erzaehlt hatten. Und ich dachte, du wuerdest eine Zeit lang nur mit dem Baby beschaeftigt sein und wir haetten ueberhaupt keine Zeit irgendwas zu unternehmen. Und trotzdem hatten wir ihn mit 3 Monaten schon bei einem Baseballspiel und ein paar Dorffesten dabei und fahren auch jetzt oft ans Meer oder an den See ohne Probleme. Haruki ist meiner Meinung nach ein sehr pflegeleichtes Baby und ich bin froh, dass wir so mehr Moeglichkeiten haben noch wir selbst zu sein."



-Was wuerdest du anderen Frischgebackenen Vaetern empfehlen?

"Als erstes empfehle ich, nicht auf eure Freunde zu hoeren. Wie man sieht ist jedes Baby anders und sich im Vornherein zu stressen bringt gar nichts. Und ich empfehle jedem, entspannt an die Situation ranzugehen und zu versuchen sich in die Partnerin reinzufuehlen. Fragt nach, wenn sie traurig oder gestresst ist und nehmt sie viel in den Arm. Ich denke meine Naehe hat dich immer am besten beruhigt. Viel reden hilft definitiv zu verstehen. Nehmt euch Zeit und versucht es zusammen zu meisstern. Wir Maenner koennen zwar koerperlich nicht allzuviel helfen aber ich habe gemerkt dass wir seelisch sehr wohl eine Stuetze sein koennen in der harten Zeit. Ausserdem hast du dich sehr gefreut wenn ich dir deinen Lieblingskuchen gebracht hatte. Den aus Suesskartoffelteig mit den Aepfeln oben drauf. Ich denke, das ist auch ein guter Tipp. Bringt ihr ihr Lieblingsessen. (lacht)"


Ich war ueber ein paar der Antworten wirklich ueberrascht. Ich hatte noch nie so wirklich nachgefragt und wusste deshalb auch nicht dass auch er so viele Gedanken und Sorgen hatte.
Ich denke wir Muetter sind oft zu sehr in unserer eigenen Welt und sind oft vielleicht auch ein bisschen Egoistisch. Ich werde jedenfalls von jetzt an noch mehr versuchen den Papa mit einzubeziehen und helfen, eine gute Vater-Sohn-Verbindung aufzubauen. 

Wenn ihr wollt, macht doch mit und interviewt eure Partner, die Papas und Stiefpapas, wie sie sich fuehlen und befragt sie zu ihrer Vaterrolle.
Ich wuerde mich freuen auch die Ansichten anderer Vaeter zu lesen, also lasst mir vielleicht einen Link mit eurem Beitrag da :) 

LG Rin 

Rinchan's Welt

Mein Name ist Rin, ich bin 25 Jahre alt und moechte euch in diesem Blog einen kleinen Einblick in mein Leben in Japan geben. Viel Spass beim Stoebern und mehr ueber mich findet ihr bei "About me".

Kommentare:

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  2. Entschuldigung, ich habe den Kommentar aus Versehen geloescht :( Das ist bei Blogger aber auch saubloed geregelt. Da kommt man oft auf den Inhalt entfernen-Button.

    Ich fand es auch interessant mal zu hoeren was mein Mann so denkt. Bis jetzt hatte ich da nie wirklich drueber nachgedacht :D

    LG Rin

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